Technische Aspekte des Shorin-Ryu im Okinawa Köln
Shorin-Ryu ist eine der beiden großen ursprünglichen Karate-Stilfamilien. Entstanden ist Karate vor ca. 500 Jahren auf Okinawa, einer Inselgruppe zwischen Japan und China. Nach Japan ist Karate erst zwischen 1920 und 1930 gekommen, wo es mehr oder weniger starke Veränderungen erfahren hat. Dieses veränderte Karate hat sich unter dem Namen Shotokan von Japan aus weltweit verbreitet und ist inzwischen als der dominierende Karatestil wie in vielen Ländern Europas auch in Deutschland zum Breitensport geworden. Im Okinawa Köln bemühen wir uns jedoch, gemeinsam traditionelles Karate zu erlernen und in Deutschland zu etablieren.
Das Karate im Okinawa Köln basiert auf Matsubayashi-Ryu, einer der großen Strömungen innerhalb der Shorin-Ryu Familie (Ryu bedeutet lediglich Richtung oder Stil), der von Großmeister Shoshin Nagamine gegründet wurde. Im Gegensatz zu dem in Europa verbreiteten Karate wird im Shorin-Ryu viel Wert auf natürliche Techniken gelegt. Dies wird beispielsweise anhand der hohen Stände und der natürlichen Atmung ersichtlich. Auch wird auf weite Ausholbewegung verzichtet, um Techniken schnell und effektiv zu machen. Tritttechniken spielen eine vergleichsweise geringe Rolle, es werden fast nur Fußtechniken mit tiefen Zielpunkten gelehrt. Durch diese beiden Eigenschaften kann Shorin-Ryu auch noch im hohen Alter praktiziert werden (was auf Okinawa oft vorkommt). Im Shorin-Ryu wird auch oft der chinesische Einfluss deutlich: Die Bewegungen sind geradlinig und fließender als in japanischen Stilen. Ein wesentliches Ziel ist es, extrem wirkungsvolle Techniken durch das Zusammenspiel des Ober- und Unterkörpers zu erreichen. Dies wird durch das Erlernen von subtilen Koshi-(Hüft) Bewegungen, Kompression und Expansion des Körpers und Peitschenbewegung erreicht. Von der Kampftaktik her verbinden viele Shorin-Ryu-Techniken Verteidigung und Angriff in einer Bewegung.
Die Anwendbarkeit der Techniken zur Selbstverteidigung ist im Shorin-Ryu sehr wichtig. Oft wird von Angriffen und Verteidigungen in enger Distanz ausgegangen, was realistisch und effektiv ist. Wie im traditionellen Karate üblich gibt es bei uns kein freies Kumite und keine Wettkämpfe.
Matsubayashi Ryu wurde von Großmeister Shoshin Nagamine (10. Dan, 1907-1997) im Jahr 1947 gegründet. Der Stil ist umfassend in seinem berühmten Buch dargestellt. Er ist der Shorin Ryu Stil mit der größten weltweiten Verbreitung, unter anderem gibt es in den USA sehr viele Matsubayashi Dojo. Im Okinawa Köln folgen wir mit unserem Matsubayashi-Training der Karate-Interpretation von Sensei Jeffrey Brooks aus Massachusetts, USA. In unser Karate gehen aber auch Einflüsse von Sensei Prof. Katsuhiko aus Okinawa ein, der der Stilnachfolger von Meister Chokei Kishaba ist.
Kata
Im Okinawa Köln praktizieren wir einen traditionellen Aufbau des Karate-Do Trainings. Kata (dies sind festgelegte Sequenzen mit Angriffs- und Verteidigungstechniken gegen imaginäre Gegner) nehmen eine zentrale Rolle ein. Aus den Kata heraus werden realistische Angriffs- und Verteidigungstechniken mit Partnern entwickelt, die sich nicht nur auf Schlag- und Tritttechniken beschränken, sondern z.B. auch Hebel. Im fortgeschrittenen Stadium werden auch Würfe behandelt. Die Kata zum Zentrum des Trainings zu machen hat, viele Vorteile: Man kann sich ganz auf seine eigenen Techniken und seine eigene Weiterentwicklung (Do) konzentrieren, man kann sehr gut an den mentalen Aspekten, welche im Karate wesentlich sind, arbeiten (ein weiterer Aspekt des Do) und man kann jede Techniken ohne Scheu vor Verletzungsgefahr mit voller Kraft ausführen.
Es werden die folgenden 18 Kata gelehrt:
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Fukyugata Ichi und Fukyugata Ni: Die beiden einführenden Kata |
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Pinan I V (Pinan Shodan, Nidan, Sandan, Yondan, Godan): Diese fünf Kata wurden um 1900 herum aus alten Kata geschaffen, um Karate an den Schulen Okinawas zu lehren. Die Pinan Kata sind die ursprünglichen Versionen der im Westen weit verbreiteten Heian Kata I-V. |
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Naihanchi I III (Naihanchi Shodan, Nidan, Sandan): Dies Kata wurden von alters her benutzt, um Anfängern in das Karate einzuführen. Sie vermitteln andere Körperprinzipien als die Pinan Kata. |
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Wankan, Ananku, Wanshu, Rohai, Passai, Chinto, Gojushiho, Kusanku: Dies sind acht traditionelle Kata, die seit Jahrhunderten benutzt werden, um Karate zu lernen. |
» Videos mit allen Kata können hier angeschaut werden.
Yakusoku Kumite
Neben Kata werden auch Grundtechniken und das sogenannte Yakusoku Kumite trainiert. Dies sind Partnerübungen mit festgelegten Angriffs- und Verteidigungstechniken. Jede Kumite-Sequenz besteht aus mehreren Angriffen und zugehörige Abwehrtechniken, wobei wesentliche Prinzipien der Selbstverteidigung vermittelt werden. Wir trainieren die sieben Yokusoku Kumite Formen, die von Großmeister Shoshin Nagamine unter Einfluss von Motobu Choki einem der stärksten Freikämpfer auf Okinawa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden.
» Hier sind Videos der sieben Yokusoku Kumite Sequenzen.
Graduierung
Graduierungen, die insbesondere durch Gürtelfarben zum Ausdruck kommen, spielen bei uns nur eine kleine Rolle. Primäres Ziel ist es nicht Übende in absolute Stufen einzuteilen und Hierarchien im Dojo aufzubauen, sondern allen Teilnehmern bei der eigenen technischen und geistigen Weiterentwicklung zu helfen. Wir haben drei Grundstufen für Schüler (weiß, grün, braun) mit weiteren Unterteilungen, was insgesamt sieben Schülergrade (Kyu) ergibt. Es werden die folgenden Kata auf den entsprechenden Stufen geübt:
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7. Kyu (weißer Gürtel), Kata: Fukyugata Ichi |
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6. Kyu (ein grüner Streifen), Kata: Fukyugata Ni |
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5. Kyu (zwei grüne Streifen), Oyotan Ren (fortgeschrittene Grundtechniken) |
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4. Kyu (grüner Gürtel), Kata: Pinan Shodan, Pinan Nidan |
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3. Kyu (zwei braune Streifen), Kata: Pinan Sandan, Pinan Yondan, Pinan Godan |
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2. Kyu (brauner Gürtel), Kata: Naihanchi Shodan |
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1. Kyu (zwei schwarze Streifen), Kata: Naihanchi Nidan, Naihanchi Sandan, Wankan |
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ab 1. Dan (schwarzer Gürtel), Kata: Ananku, Wanshu, Rohai, Passai, Chinto, Gojushiho, Kusanku |
Daneben gibt es bei bestimmten Kyu-Prüfungen Bruchtests. Zu jeder Prüfung wird ein kurzer Aufsatz verfasst.
Okinawa Köln ist verbandsunabhängig, wodurch wir in der Graduierung frei sind und keine Verbandsbeiträge anfallen. (Anmerkung: Oben stehende Graduierungen werden so oder in leicht abgeänderter Form in vielen Shorin-Ryu Dojo in den USA verwandt.)
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